SP-Präsident mit Kontakten in rechte Kreise

SP-Präsident an der Heinrich-Heine-Universität pflegt Kontakte in die rechte Burschenschafts- und Musikszene. Auf Intervention unter anderem des MSB Spartakus kündigt er seinen Rücktritt an. Im Fachbereich Philosophie hält er jedoch an seinen Ämtern fest.

Der Präsident des Studierendenparlaments (SP) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) Patrick Körner, Mitglied der Fachschaftenliste (FSL), unterhält Kontakte in rechte Kreise. Bisher bekannt geworden ist mindestens ein enger Kontakt zu einem Mitglied der Bonner Burschenschaft Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn und vier weitere Mitglieder der Burschenschaft, die er als Freunde auf seiner StudiVZ-Seite führt, sowie in die rechte Darkwave- und Neo-Folk-Szene. Er identifiziert sich mit RechtsRock-Bands wie Von Thronstahl, benutzt deren Texte und Symbole im StudiVZ und fühlt sich der extrem rechten Plattform Neo:Form zugehörig.

Diese Erkenntnisse traten nach seiner Wahl zum SP-Präsidenten (22.07.08) zu Tage. Der MSB Spartakus (MSB) begrüßt seine Ankündigung, von seinem Posten im SP und seinen Stellvertreterposten in Senat und Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät zurückzutreten. Dass er sein Amt im Fachschaftsrat und im Institutsvorstand der Philosophie nicht räumen will, verurteilen wir aufs Schärfste. Der MSB hat erheblichen Zweifel, ob Patrick Körner angesichts seiner mangelnden Abgrenzungsfähigkeit zum rechtsextremen Spektrum in der Lage ist, demokratische Ämter auszuüben. Darüber hinaus fordern wir die FSL auf, sich von der Person Patrick Körner zu distanzieren und ihn auszuschließen.


Ein Bild mit vielen Facetten

Körner, der behauptet zu unrecht in die rechte Ecke gestellt zu werden, nahm im Beisein der FSL, des Hochschulradios eines Vertreters der Internationalen Unabhängigen Liste (IUL) und VertreterInnen des MSB am Dienstag (05.08.08) Stellung zu den genannten Vorwürfen. Entkräften konnte er sie jedoch nicht. Vielmehr bestätigte sich seine affirmative Haltung zu rechter Symbolik und Ästhetik ohne jegliche Kritik des dahinter stehenden Gedankenguts. Diese versuchte er hinter vermeintlichem Skeptizismus, vorgeblicher Unwissenheit und Relativierungen zu verstecken. Eine klare Distanzierung von faschistischer Ideologie verweigerte er.

Kein Platz für Rechte Ideologie an der HHU

Der MSB Spartakus wird nicht hinnehmen, dass Personen, die mit faschistischen Symbolen und Ideologien kokettieren und Verbindungen in die rechte Szene pflegen, politische Ämter der Verfassten Studierendenschaft oder der Universität bekleiden.

Dazu Jan Tuczek (Parlamentarier der Fraktion MSB Spartakus & FachschaftlerInnen):
„Der Fall Patrick Körner macht für uns deutlich, wie wachsam man beim Thema Rechtsextremismus sein muss. Wir fordern alle demokratischen Kräfte auf, sich davon zu distanzieren und Körner auszuschließen. Es darf weder an unserer Uni noch sonst wo eine Verharmlosung und Bagatellisierung von extrem rechtem Gedankengut geben.“

Was steckt da hinter?

Dass es sich weder bei der Burschenschaft noch bei der rechten Musikszene um harmlose Erscheinungen handelt, lässt sich schon auf den ersten Blick erkennen.

Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn ist kein unbeschriebenes Blatt. So wurde Anfang des Jahres Thore Stein, Mitglied der Raczeks und StudiVZ-Freund von Körner, sogar vom Bonner RCDS (StudentInnenorganisation der CDU) ausgeschlossen. (1) Auf ihrer Homepage machen die Burschenschafter aus ihrer völkischen Weltanschauung keinen Hehl. In revisionistischer Manier wird Deutschland als größer als seine Grenzen definiert. Prominenter Redner bei den Raczeks war etwa der Düsseldorfer Anwalt Björn Clemens (26.04.06), ehemals stellvertretender Bundesvorsitzender der Republikaner und verantwortlich für die Neonazi-Kundgebung am Reeser Platz am 03.06.08 in Düsseldorf. (2) Gemeinsam mit der Burschenschaft Danubia München sind die Raczeks im Ostdeutschen Kartell zusammengeschlossen. Die Danubia München machte von sich reden, als sie 2001 nach einem rassistischen Angriff auf einen Griechen dem Haupttäter in ihrem Haus eine Übernachtungsmöglichkeit gewährte. Vertreter der extremen Rechten waren immer wieder gerne „auf dem Haus“ gesehen. Die Danubia wurde jahrelang vom Bayrischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. (3)

Die Plattform Neo:Form, deren Aufnäher Körner auf seiner Jacke trägt, wird vom Raczek Mirko Peters betrieben. (4) Ihr rechter Bezug wurde vor allem durch die Veröffentlichung zweier Sampler mit Titeln von RechtsRock-Bands wie bspw. der genannten Von Thronstahl, Shava Sadhana und Sagittarius deutlich. (5) Die beiden letztgenannten Bands wollten im November 2006 „auf dem Haus“ der Burschenschaft Dresdensia-Rugia aus Gießen ein Konzert geben. Betitelt war die Veranstaltung mit „Wolfstanz“ und wurde hauptsächlich von eben jener Neo:Form-Plattform beworben. Aufgrund antifaschistischer Intervention konnte das Konzert nicht stattfinden. (6) Die Band Von Thronstahl mit ihrem Sänger Josef Maria Klumb ist wohl eine der bekanntesten Exponenten der rechten Dark Wave- und Neo-Folk-Szene. Klumb bezeichnet sich in Interviews unverblümt als „rechtsradikal“. (7)

(1) http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M5bd4d029d01.0.html
(2) www.raczeks.de
(3) http://www.bpb.de/themen/TGE8K9,0,0,Ehre_Freiheit_Vaterland!.html
(4) http://www.turnitdown.de/91.html?&type=98
(5)  http://blog.fokuswerk.de/musik/neo-form-sampler-vol-i-ii/
(6) http://www.turnitdown.de/91.html?&type=98
(7) http://www.obliveon.de/pn-om/modules.php?op=modload&name=interviews&file=index&req=showcontent&id=5813&cfletter=J

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