Donnerstagabend trat das neue Studierendenparlament (SP) der HHU zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Zwar wurde löblicherweise mit Sarah Gründel (Juso-HSG) eine Frau zur SP-Präsidentin und damit ins höchste Amt der verfassten Studierendenschaft gewählt, der AStA-Vorstand glänzt jedoch erneut dadurch, dass er rein männlicher Natur ist.
Das höchste Amt innerhalb der verfassten Studierendenschaft an eine Frau zu vergeben, das mag ein schönes Bild sein - aber mehr leider auch nicht. Der politische Einfluss, der von dieser Stelle aus genommen werden kann, geht kaum über den einer oder eines gewöhnlichen Parlamentarierin/Parlamentariers hinaus.
Die politisch interessanten Stellen im AStA-Vorstand sind, wie gesagt, durch drei Männer besetzt worden: Rainer Matheisen (LHG) ist neuer Vorsitzender, Philipp Tacer (Jusos) sein erster Stellvertreter und Dennis Heckendorf (Fachschaftenliste) neuer Dritter im Boot.
Zum zweiten Mal in Folge waren Jusos und LHG nicht in der Lage, Kandidatinnen aufzustellen. “Man könne ja auch keine Frau in den AStA-Vorstand zwingen,” hieß es auf Nachfrage des MSB im Studierendenparlament einhellig von allen drei am neuen AStA-Vorstand beteiligten Listen. Zuvor hatte Rainer Matheisen “in alter Tradition” der LHG den Antrag auf Streichung der Quotierung der Redeliste im Studierendenparlament gestellt, mit dem er glücklicherweise nicht durchkam. Betrachtet man allerdings die nahezu widerspruchslose Wahl aller drei männlichen Kandidaten in den AStA-Vorstand so wird deutlich, dass es der Mehrheit im neuen Studierendenparlament wohl auch reicht, wenn über das Erreichen von Gleichberechtigung von Mann und Frau etwas auf dem Papier steht, in die Realität umsetzen wollen sie es wohl nicht.
Wieso, stellt sich nun die Frage, müssten Jusos, LHG und Fachschaftenliste bei einer Gesamtstärke von - nach eigenen Angaben im Wahlkampf - fast 100 Personen auf ihren drei Listen, unter denen auch viele Frauen vertreten sind, die weiblichen Mitglieder ihrer Listen zwingen, ein derartiges Amt zu übernehmen? Dass alle Frauen auf diesen Listen feige, dumm oder faul sein, davon kann sicherlich nicht die Rede sein, es gibt zig Gegenbeispiele dafür. Naheliegender und wahrscheinlicher ist, dass es sich um ein strukturelles Problem innerhalb dieser Listen handelt: Offensichtlich sind sie intern nicht dazu in der Lage, eine Situation zu schaffen, in der ihre weiblichen Listenmitglieder tatsächlich gleichberechtigt sind und damit in die Lage versetzt würden, ein solches Amt wie den AStA-Vorstand zu übernehmen.
“AStA” steht, wie leider scheinbar nicht mal den Protagonisten der Hochschulpolitik an der HHU ausreichend bekannt, für “Allgmeiner Studierendenausschuss”. “Allgemein” meint in diesem Falle, “alle vertretend”. 52% der Weltbevölkerung und 53% aller Studierenden in Deutschland sind weiblich. An der HHU sieht die Situation ähnlich aus. De facto ist also die Konsequenz aus dem strukturellen Sexismus in den AStA-tragenden Listen, dass der neue AStA-Vorstand wie der im Jahr zuvor wiederum nur weniger als die Hälfte aller Studierenden überhaupt vertreten kann - und mehr als die Hälfte aller Studierender weiterhin ziemlich alleingelassen mit ihren Problemen und Bedürfnissen sein werden.
Zwar gibt es das Autonome Frauenreferat, zum Glück gibt es dies, aber die jahrelange und mühevolle Arbeit desselben wird mit Füßen getreten, wenn Frauen weiterhin innerhalb der Hochschulpolitik an der HHU eine “Minderheiten”-Rolle zugeschrieben wird. Eine Minderheit, die Frauen definitiv nicht sind. Es scheint, dass ein Grüppchen selbstzufriedener “echter” Männer hier, wo es noch möglich ist, einen Anachronismus einfach weiter behüten und behalten möchte. Oder auch nur die eigenen Pfründe, und dafür in Kauf nimmt, nicht nur Ziele, die man sich selbst gesteckt hat sondern auch die eigenen Mitstreiterinnen unter die Räder kommen zu lassen. In schöner alter Macho-Manier, in der sich dann auch noch “schützend” vor die “armen Frauen, die man nicht zwingen will” gestellt wird.
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