Semesterticket her, oder Du fliegst aus der Bahn!

Klingt nach einem Überfall? So etwas Ähnliches war es auch. Am Dienstag vergangener Woche fand auf der Strecke zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und der HS Niederrhein eine Fahrkartenkontrolle der besonderen Art statt. Nicht nur der Besitz eines Tickets wurde überprüft sondern es wurden Daten erhoben: Die im ÖPNV angetroffenen StudentInnen mussten Name, Geburtsdatum, Matrikelnummer und Hochschule angeben. Wer seine Daten nicht raus rücken wollte oder nach dem Grund der Erhebung fragte, erhielt keine Antworten, stattdessen wurden Tickets aus der Hand gerissen oder es wurde darauf hingewiesen, dass man „keine Welle machen solle“ sonst flöge man aus der Bahn. Auch in Düsseldorf gab es bereits derartige Kontrollen.


Angeblich war die Datenerhebung in Mönchengladbach sowohl mit dem AStA als auch mit der Verwaltung der Hochschule abgesprochen. So behaupteten es jedenfalls die eingesetzten Kontrolleure. Weder der AStA noch die Hochschule wussten etwas davon, verständlicher Protest regt sich nun sowohl von Seiten der Studierenden als auch von Seiten der Lehrenden und der Verwaltung. Vor diesem Hintergrund sah sich dann auch der AStA der HHU genötigt, Informationen über die bevorstehende Datenerhebung herauszurücken. In einem unklar und schwammig formulierten Artikel in der campus delicti versichert er nun, die Aktion sei abgesprochen und der Datenschutz sichergestellt.

Warum eigentlich das Ganze?

Dem VRR ist nach Jahren nun endlich aufgefallen, dass sich rosa Zettelchen mit einem simplen Computeraufdruck ja tatsächlich leicht fälschen lassen. Daraus wurde dann auf Seiten des Verkehrsverbundes geschlossen, dass wohl eine riesige Anzahl gefälschte Tickets im Umlauf sein muss, sind ja schließlich grundsätzlich alle Menschen und erst Recht Studierende potentiell kriminell. Um herauszufinden, wie viele gefälschte Tickets tatsächlich im Umlauf sind, sollen nun die Daten der in Transportmitteln des ÖPNV angetroffenen SemesterticketinhaberInnen gesammelt und mit denen der jeweiligen Hochschulen ab geglichen werden. Von den Hochschulverwaltungen sollen (erstmal) nur Prozentsätze weitergegeben werden, d.h. wie viele der vom VRR gesammelten Datensätze sich nicht in den Datenbanken der Hochschulen wiederfinden, ergo wie viele falsche Tickets im Umlauf sind. Konsequenzen für die mit gefälschten Tickets fahrenden sollen nicht entstehen, angeblich. Sollten die Verkehrsbetriebe tatsächlich nur Prozentzahlen erhalten, ist es auch gar nicht möglich, Konsequenzen für einzelne zu ziehen, da dann nicht bekannt ist, welche der erhobenen Datensätze bei der Universität nicht in der Datenbank waren. Die Frage ist nur, ob das auch tatsächlich so passieren wird.

Der Datenschutzbeauftragte und die die HHU

Das Verfahren des Datenabgleichs und der Weitergabe soll laut AStA sowohl vom Datenschutzbeauftragten der Stadt Düsseldorf, seines Zeichens ebenfalls Datenschutzbeauftragter der HHU, als auch vom Datenschutzbeauftragten der Rheinbahn überwacht werden. Ersterer ist, wie gesagt, auch für den Datenschutz innerhalb der HHU zuständig. Nichts desto trotz existiert aber hier ein HISLSF, dessen Benutzung für alle Studierenden mit Beginn dieses Semester verpflichtend wurde, in dem jedoch von DozentInnen sämtliche Daten inkl. der Anschrift und bereits abgelegter oder eben auch nicht abgelegter Prüfungen und ihrer Ergebnisse abrufbar sind. Als es in Betrieb genommen wurde, war die Prüfung durch den Datenschutzbeauftragten noch nicht abgeschlossen und es ist ernstlich zu bezweifeln, dass er diese Möglichkeiten in Ordnung findet. Dennoch wird es an unserer Universität eingesetzt, allem Datenschutz zum Trotz. Davon auszugehen, dass die Universität dank der Überwachung durch den Datenschutzbeauftragten keine Namen an die Rheinbahn respektive den VRR weiter gibt, ist also mehr als naiv.

Und dann?

Schließlich bliebe da auch noch die Frage nach den Konsequenzen aus Datenerhebung und -abgleich. Welche Maßnahmen im Gespräch sind, sollte sich herausstellen, dass es sich tatsächlich um eine große Menge gefälschter Tickets handelt, lässt der AStA in seinem Artikel leider nicht wissen. Die Möglichkeiten sind viele: Ein Hologramm auf dem Ticket wie z.B. im NVV in Hessen wäre eine Möglichkeit, die die Tickets fälschungssicherer machen würde, aber genauso gut wäre möglich, dass alles am Ende auf eine Chipkarte hinauslaufen soll, wie es sie bspw. an der Universität Duisburg-Essen existiert. Eine solche Chipkarte ermöglicht zwar auf der einen Seite die Vereinfachung vieler Dinge, kann man sie auch gleichzeitig z.B. als Kopier- oder Mensa-Card einsetzen, auf der anderen Seite ebnet sie aber auch den Weg zum „gläsernen Studi“. Dafür, dass es wohl um solche eine Karte geht, spricht die Aussage einer der in Düsseldorf eingesetzten Kontrolleurinnen: Auf die Nachfrage einer Studentin, wieso sie denn bitte ihre Daten hergeben solle, erklärte diese, die seien „für die Karte.“ Für welche Karte, wollte die Studentin wissen und erhielt als Antwort, sie bekäme demnächst „so eine feste Karte, mit Bild und Allem.“

Die Entscheidung für eine solche Karte und damit darüber, wie viele ihrer Daten wie wo wem zur Verfügung stehen sollen, ist keine, die der AStA einfach so alleine treffen kann. Dazu sollten alle Betroffenen sich äußern und eine eigene Entscheidung treffen dürfen. Mindestens eine VV wäre also angesagt gewesen – der AStA hat jedoch nicht mal darüber informiert, dass er mit dem VRR offensichtlich in Verhandlungen über ein sichereres Semesterticket steht, obwohl diese Verhandlungen bereits mehr als halbes Jahr zurückliegen. Gab es im vergangenen Semester noch Beschwerden des AStA über das Demokratieverständis des Rektors „Studierende unerwünscht“, scheinen sich die Herren nun ein Beispiel an seinem Verhalten zu nehmen.

Was tun?

Gebt eure Daten nicht her! Der VRR hat keinen Anspruch darauf, zu wissen, wer mit seinen Transportmitteln fährt – egal ob mit Semester- oder Einzelticket. Versuchen sie euch zu zwingen, bleibt ruhig weiter stur und lasst sie zur Not die Polizei rufen. Je nachdem, was in der Zwischenzeit so geschehen ist, gibt es sicherlich genug was ihr eurerseits zu beanstanden habt und erzählen könnt, im Zweifelsfall versucht es mit einer Anzeige wegen Beleidigung oder übler Nachrede. Immerhin wurde euch unterstellt, ein Ticket gefälscht zu haben. Ihr hingegen habt nichts Unrechtes getan, da der VRR wie gesagt keinen Anspruch auf die Erhebung eurer Daten hat.

Geht zum AStA, fragt nach! Wer verhandelt gerade über was? Wir werden das auch tun, aber hier gilt wie immer: Je mehr Leute ihnen auf den Keks gehen, desto eher werden sie etwas tun. Je mehr Interesse an ihrer Arbeit ihnen aus der Studierendenschaft entgegengebracht wird, desto weniger können sie Dinge hinter eurem Rücken tun.

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