Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen. (Heinrich Heine)
Mit einer kleinen Aktion vor der ULB haben wir heute der Bücherverbrennung durch die Nazis 1933 gedacht. Wir wollten mit unserer Aktion über den barbarischen Wahn deutscher StudentInnen berichten und ein Bewusstsein wecken, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Vor der Heine-Statur haben wir ein Banner mit oben genanntem Zitat angebracht und davor Bücher aufgestellt, die 1933 verbrannt wurden. Wer eine Liste von AutorInnen und Werken sucht, wird bei Wikipedia fündig.
Hier noch das verteilte Flugblatt:
Barbarei an deutschen Hochschulen – Die Bücherverbrennung von 1933
“Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.” (Heinrich Heine)
Zum 75. Mal jährt sich die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten im Jahre 1933. In fast allen größeren Städten Deutschlands wurden die Bücherverbrennungen organisiert und öffentlichkeitswirksam inszeniert. Die Bücherverbrennungen waren der Höhepunkt der Kampagne „Aktion wider den undeutschen Geist“, die sich gegen jene Schriftsteller wandte, die persönlich oder durch ihre Schriften nicht ins nationalsozialistische Weltbild passten, und die nicht etwa vom Propagandaministerium organisiert wurde, sondern von der Deutschen Studentenschaft (DSt). Höhepunkt war die Bücherverbrennung am 10. Mai auf dem Berliner Opernplatz, wo zehntausende verhasste Werke in die Flammen geworfen wurden. Auch in Düsseldorf fanden derlei Aktionen statt. Am 11. Mai 1933 wurden im Rahmen der studentischen Kampagne Bücher vor dem Düsseldorfer Rathaus verbrannt. Einen Monat zuvor, am 11. April 1933 und damit einen Monat früher als im Rest von Deutschland, verbrannte schon die Hitlerjugend Bücher vor der Rheinhalle (heute Tonhalle).
Studentinnen und Studenten im Geiste des Nationalsozialismus
Die Dominanz extrem Rechter StudentInnen an den deutschen Universitäten setzte sich nicht erst mit der Verabschiedung des „Ermächtigungsgesetzes“ im März 1933 durch. So war die Weimarer Zeit an den Universitäten geprägt von Studentenverbindungen mit monarchistischer, antidemokratischer, völkischer und antisemitischer Ausrichtung. Die DSt organisierte von 1919 bis 1945 die ASten der Hochschulen in Deutschland, Österreich, Danzig und den ehemals deutschen Universitäten in der Tschechoslowakei. Seit seiner Gründung wurde er dominiert von völkischen Kräften und war seit 1931 vom Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund beherrscht, mit dem sie 1936 faktisch zusammengelegt wurde. Die DSt wurde 1945 als NS-Organisation verboten.
So verwundert es nicht, dass gerade von der vermeintlichen „geistigen“ Elite unmittelbar nach der Verabschiedung des „Ermächtigungsgesetz“ eine Kampagne initiiert wurde, die den Vernichtungswahn der Nazis öffentlich symbolisch zelebrierte. Die Aktionen nahmen ihren Anfang mit der Verbreitung der „12 Thesen wider den undeutschen Geist“. Jüdische, linke und liberale Ideen und ihre VertreterInnen wurden angeprangert und verunglimpft. Es wurde zu Boykottaktionen gegen Professoren aufgerufen, Bibliotheken nach verhasster Literatur durchforstet und mit Büchersammelaktionen die Grundlage für die Verbrennungen geschaffen. Die Bücherverbrennung wurde als Ritual zelebriert, formelhaft wurde mit den „Feuersprüchen“ Urteile über die AutorInnen gesprochen. „Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky“, war einer dieser Formeln.
Nichts ist vergessen und niemand!
Was für die einen, StudentInnen, aber auch Professoren, die sich beteiligten, vielfach den Auftakt für eine Karriere im NS-Staat bildete, war für die Opfer das Ende ihrer Existenz. Emigration oder der Tod in den Vernichtungsstätten der Nazis war für sie die Folge. Die Werke von über 300 AutorInnen landeten auf dem Scheiterhaufen. Neben AutorInnen wie Heinrich Heine, Karl Marx, Thomas und Heinrich Mann, Rosa Luxemburg, Siegmund Freud, Erich Kästner oder Bertold Brecht, deren Werke berühmt und bekannt sind, gelang es den Nazis mit ihrer Aktion AutorInnen aus dem kollektiven Gedächtnis zu verbannen. Hermann Essig, Alexandra Kollontay, Emil Ludwig oder Werner Türk sind in Vergessenheit geraten und tauchen nur noch auf den Listen der verbrannten Bücher auf. Viele ihrer Werke sind heute kaum noch zu bekommen oder wurden vernichtet.
Nie wieder Faschismus!
Für die StudentInnen von heute ist es selbstverständlich die Bücher zu lesen, die 1933 Opfer der Flammen wurden. Dass dies nicht immer so war, vergisst man allzu leicht. Doch gerade wir StudentInnen dürfen diese barbarischen Ereignisse nicht vergessen. Unsere Aufgabe ist es, den Opfern zu gedenken und dafür Sorge zu tragen, dass so etwas nie wieder geschehen kann. Treten wir den alten und neuen Nazis entgegen!
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!


0 Antworten zu “Barbarei an deutschen Hochschulen – Die Bücherverbrennung von 1933”
Eine Antwort hinterlassen
Du musst Dich anmelden, um einen Kommentar zu hinterlassen.